Warum ich wähle

Als ich diesen Text anfing zu schreiben, gab es diesen Blog noch gar nicht, nur eine Idee, dass man irgendwie irgendetwas machen könnte. Inzwischen war ich, besser meine verquere jugendlich-idealistische Meinung, im Spiegel, war im Radio zu hören, durfte mit der Brigitteredaktion telefonieren und man schrieb in The European über uns. Eine Reichweite, die ich niemals erahnte.

Ich bin sehr beeindruckt und bedanke mich an dieser Stelle für den vielen Zuspruch, den wir in Mails, Nachrichten und Kommentaren bekamen und bekommen.

Nur einen kleinen Wehrmutstropfen hatte es für mich immer. Ich bin einfach auf die Straße gegangen und hab geschaut, was da so los ist. Nichts schwieriges oder abstruses, so empfinde ich es, und nicht als politisches Engagement.

Ich hocke selbst zuliebst über meinen Büchern und jeder Straßenumfrage ging ein Spaziergang (dreimal um den Block) voraus, um meine Aufregung davor, Menschen anzusprechen, zu senken. Aber das soll schon politisch sein? Ich weiß nicht.

Ursprünglich wollte ich hier erzählen, dass ich aus einer ganz normalen Familie komme. Trotz Scheidungskinddasein, verqueren Familienverhältnissen, wuchs ich in sehr stabilen Verhältnissen auf. Das Einzige, was ungewöhnlicher ist und mich für Politik sensibler machte, ist die 30 Jahre andauerne Bürger- und Amtvorsteherei meines Opas, die ich noch bewusst lange erlebte. Politik war Alltag. Doch wurde ich als Kind nicht auf Demos geschleppt oder es wurden auch keine regelmäßigen Diskussionsabende im Hause veranstaltet. Dennoch erlebte ich eine unglaubliche Toleranz für jede Meinung und ein Pflichtgefühl für die Gemeinschaft.

Als ich das schrieb, glaubte ich auch, dass ich mich politisch doch einigermaßen auskenne, was jegliche Recherchearbeit zwar nicht widerlegte, jedoch wurde kein Eintrag aus dem Ärmel geschüttelt.

Nach diesen zwei Monaten auf der Suche nach der Demokratie habe ich sie für mich gefunden. Denn ich habe viele Menschen getroffen, mit denen ich über Politik und Gesellschaft sprach, die aus vollem Herzen zur Wahl gehen werden, aber auch jene, die aus Resignation nicht zur Wahl gehen und dennoch von sich selbst sagen, sie seien politisch. Dazu durfte ich erfahren, dass “die da Oben” für jeden erreichbar sind. Klar ist gerade Wahlkampf und in normalen Zeiten reisen sie nicht durch das Land um Bürgernähe zu zeigen. Aber in 8 Wochen zwei Spitzenkandidaten und einen Bundesminister zu treffen, hatte ich mir schwieriger vorgestellt.

Da ich morgen arbeiten muss, habe ich bereits per Briefwahl gewählt und bin mir sehr sicher für mich die persönlich richtige Entscheidung getroffen zu haben. Aber durch das Bloggen und damit permanente Auseinandersetzung war ich zwischendurch selbst völlig platt, wusste nur noch, dass ich nicht die NPD und Konsorten wähle, aber mehr nicht. Erst  jetzt verstehe ich wirklich, warum so mancher keinen Bock mehr hat. Dennoch bin ich inzwischen auch überzeugt, dass, solange die Menschen noch darüber diskutieren und nicht alles hin nehmen, es gut aussieht. Doch dies dürfen wir niemals verlieren.

Das ist mein Appell an die Politik: Macht den Menschen wieder begreifbar, dass jeder Einzelne ein Teil der Gesellschaft ist. Erst wenn man versteht, was in Rathäusern, Bundestagen und auf der Welt abgeht, versteht man auch die Wahl. Deshalb werft das Geld für Bildung raus, auch wenn es vielleicht  anstrengender wird zu regieren, wenn alle verstehen, was ihr da macht.
Zu der Frage, warum ich wählen gehe? Weil es MEINE Stimme ist, die nur ich habe und sie mir ganz alleine gehört. Den Rest des Tages meine ich doch auch zu allem eine Meinung zu haben, dann erst recht, wenn jemand mich und das Land, in dem ich leben möchte, vertritt und prägt

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Was und wie wird eigentlich gewählt?

Am 22. September – also am Sonntag – ist Bundestagswahl. Das ist ja in aller Munde und überall Thema. Auch bei uns geht es nur um die Wahl. Was aber zuweilen gerade jungen Wählern viel zu wenig erklärt wird, ist, was wir eigentlich wählen: Was ist denn der Bundestag nun ganz genau? Welche Aufgaben hat der Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin? Aber auch: Wie funktioniert die Wahl? Was passiert mit meinen Stimmen?

Auf diese Fragen sind auch wir bisher nicht eingegangen, aber das soll sich nun ändern.

Zunächst ist ganz allgemein festzustellen, dass durch die Bundestagswahl die Abgeordneten des Bundestages bestimmt werden. Dazu hat jeder Wahlberechtigte zwei Stimmen bei der Wahl. Mit der Erststimme wählt man einen Direktkandidaten aus seinem Wahlkreis. Die Direktkandidaten wurden vorher aufgestellt, meist von den Parteien. Direktkandidaten müssen aber nicht zwangsläufig einer Partei angehören. Der Direktkandidat mit den meisten Stimmen in seinem Wahlkreis zieht direkt als Abgeordneter in den Bundestag ein. Insgesamt gibt es in Deutschland 299 Wahlkreise. Für jeden Wahlkreis wird ein Direktkandidat bestimmt, in den Bundestag ziehen somit insgesamt 299 Abgeordnete als Direktkandidaten ein.

Neben der Erststimme gibt es auch die Zweitstimme. Mit dieser wird eine Partei gewählt. Die Anzahl der Sitze einer Partei im Bundestag ergibt sich daraus, wie viel Prozent der Stimmen, die Partei bei der Wahl erreicht hat. Innerhalb einer Partei werden die Sitze über die Landeslisten vergeben. Wer dabei auf einer Landesliste in der Reihenfolge weit oben steht, hat eher Chancen in den Bundestag einzuziehen als jemand, der in der Liste weiter unten steht.

Allerdings dürfen in den Bundestag nur Parteien einziehen, die mindestens fünf Prozent der Stimmen bei der Wahl erreichen (5-Prozent-Hürde).

Aber was ist denn nun eigentlich der Bundestag? Der Bundestag ist ein Verfassungsorgan in Deutschland, das direkt vom Volk gewählt wird. Zu seinen Aufgaben zählt die Kontrolle der Regierung und die Festlegung des Bundeshaushalts. Außerdem ist er für die Gesetzgebung auf Bundesebene maßgeblich verantwortlich.

Der Bundeskanzler wird hingegen nicht direkt vom Volk gewählt, sondern vom Bundestag. Er oder sie wird von den Parteien nominiert, die zusammen die zukünftige Regierung bilden werden. Darüber informieren sie den Bundespräsidenten. Dieser schlägt dem Bundestag einen Kandidaten für den Bundeskanzler vor, über den der Bundestag dann abstimmt. Die Ernennung zum Bundeskanzler erfolgt dann wiederum durch den Bundespräsidenten. Der Bundeskanzeler ist der Regierungschef der Bundesrepublik Deutschland. Er bestimmt die Bundesminister und die Richtlinien der Politik der Bundesregierung.

Mehr Informationen zum Bundestag und der Bundesregierung gibt es auch auf der Homepage des Bundestages.

Meinungsforschung: Experte Matthias Jung im Interview

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Ein Gespräch mit Matthias Jung, dem Leiter der Forschungsgruppe Wahlen, über Wahlinstitute, die Arbeit der Demoskopen und die Diversität der Nichtwähler.

Straßenumfrage in Leipzig

„Warum gehen Sie wählen und was ist Demokratie für Sie?“ Das haben wir diesmal in Leipzig gefragt. Viele der jungen Befragten überlegen sich erst noch, ob sie zur Wahl gehen und wollten sich hierzu nicht äußern. Die Antworten, die wir bekamen, machen Mut: Die Leute finden Wählen und die Demokratie äußerst wichtig. Wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Straßenumfrage in Mannheim

Diesmal waren wir in Mannheim unterwegs. Dort haben wir die Menschen gefragt, warum es wichtig ist in einer Demokratie zu leben, ob die Menschen wählen gehen und warum oder auch warum nicht. Hierbei erschien den meisten das Recht zu wählen als äußerst wichtig, genauso wie das Leben in einer Demokratie.

Warum man wählen gehen sollte – Ein Statement von Peer Steinbrück

Peer Steinbrück

Der Spitzenkandidat der SPD, Peer Steinbrück, kommt aus einer Kaufmannsfamilie, wuchs in Hamburg auf und studierte in Kiel Volkswirtschaftslehre. Zwischenzeitlich war er für 4 Jahre Soldat auf Zeit und gelangte durch seinen Bundeswehroffizier zur SPD. Beruflich machte er zunächst eine Karriere im öffentlichen Dienst in verschiedenen Landes- und Bundesministerien. So war er unter anderem wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kanzleramt von Helmut Schmidt. Seine aktive Zeit als Politiker begann 1993, als er Minister für Wirtschaft, Technik und Verkehr in Schleswig-Holstein wurde. Seit 2009 ist er Mitglied des Bundestages.

Wir fragten ihn, warum wir am Wahlsonntag denn nun aufstehen sollen.

Straßenumfrage in Erlangen: Wahlprogramme

Nachdem wir bereits gefragt haben, ob die Leute überhaupt wählen gehen, interessiert mich, ob sie denn die Wahlprogramme der Parteien kennen, die zur Wahl stehen.

 
Die Antworten sind zwar gemischt, die deutliche Mehrheit der Befragten kennt die Wahlprogramme aber nicht und sieht auch keinen Grund dazu, dies zu ändern. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Der jüngeren Generation genügt es häufig, den Wahl-O-Mat zu machen. Das Ergebnis ist ihnen dann oft genug Information, um ihre Entscheidung für die Wahl zu treffen. Außerdem bekomme ich von vielen Befragten zur Antwort, dass sie sowieso schon wüssten, wen sie wählen und sich daher die Wahlprogramme gar nicht erst anschauen. Was mich negativ überrascht ist die große Politikverdrossenheit, die bei vielen Antworten auf meine Frage mitschwingt. Und überhaupt fällt mir auf: Sobald ich die Bundestagswahl anspreche, wollen sich viele Angesprochene nicht mehr zu meinen Fragen äußern, mit der Begründung, dass sie davon keine Ahnung hätten und es sie sowieso nicht interessiert.

Falls sich jetzt jemand an die eigene Nase fasst: Auf der Internetseite der Tagesschau gibt es eine Übersicht über die Inhalte der Wahlprogramme, die nach Themen sortiert ist. Außerdem gibt es dort weitere Links zum Thema. Vielleicht ist es ja doch gar nicht so schlecht, sich ein bisschen zu informieren.

Umfrage auf der CDU Wahlkampfveranstaltung in Ludwigshafen

Hier der versprochene Podcast von unserem Tag in Ludwigshafen.

Wir haben die Menschen, die Angela Merkel bei der CDU Wahlkampfveranstaltung zuhörten, gefragt, ob und warum sie wählen gehen. Wir bekamen viel Interessantes zu hören. Nur war die Frustration allein gegen die Regierung gerichtet, nicht aber gegen die Demokratie (nagut, die NPD Anhänger haben wir uns nicht getraut zu fragen, da fehlt uns noch die Erfahrung).

In Ludwigshafen interviewten wir ein ausgewähltes Publikum, da es vor allem bereits Politikinteressierte waren. Dies wird der Grund dafür sein, dass es im Unterschied zu unseren anderen Umfragen vergleichsweise durchdachte Begründungen sind. Wie bereits beschrieben, war es vielmehr eine Veranstaltung der Partei für ihre Parteianhänger als ein Wahlkampf.

Wahlwerbespots im Fokus

Wahlwerbespots Wahlurne

Wahlwerbespots sind ein Teil der Wahlwerbung, der immer noch recht viel Beachtung findet. Neben der Ausstrahlung der Spots der einzelnen Parteien im Fernsehen finden sich auch zahlreiche Videos im Internet und Beiträge in Satire-Shows, in denen die Wahlspots karikiert werden.
Zeit für eine Analyse der Spots: Wie sind sie eigentlich aufgebaut? Wer wird damit erreicht? Wie funktioniert das mit der Ausstrahlung? Und überhaupt: Wie effektiv sind Wahlwerbespots und wer wird damit erreicht?

Ein Blick auf Wikipedia verrät, dass die Ausstrahlung der Wahlwerbespots im öffentlich-rechtlichen Fernsehen für die Parteien kostenlos ist und dass sie im Gegensatz zur übrigen Werbung auch nach 20 Uhr gezeigt werden dürfen. Und auch bei den Privatsendern kostet die Ausstrahlung ihrer Werbespots die Parteien fast nichts. Jede Partei, die in mindestens einem Bundesland gewählt werden kann, hat das Recht darauf, ihre Wahlwerbung im Fernsehen zu zeigen. Von dieser Möglichkeit machen die Parteien auch rege Gebrauch. Man braucht nur das abendliche Fernsehprogramm einzuschalten, schon nach kurzer Zeit wird man mit den Spots konfrontiert.  Interessant ist auch der ermittelte Marktwert der Wahlwerbespots: Würden statt diesen herkömmliche Werbespots gezeigt, hätten sie einen Marktwert von rund 8,2 Millionen Euro.

Auch für die kommende Bundestagswahl gibt es zahlreiche Werbespots. Je nach Partei stehen dabei unterschiedliche Aspekte im Fokus:
Der Spot der CDU besteht aus einer Rede von Angela Merkel, die durch Kameraschwenks, unterschiedliche Zoom-Einstellungen und dem Spielen mit der Schärfe aufgelockert werden soll. Merkel spricht davon, was ihre Ziele für Deutschland sind. Was die CDU als ihre Partei davon hält, bleibt offen.
Die SPD hingegen setzt auf das Volk. Politiker sind in diesem Wahlspot kaum zu finden, Peer Steinbrück muss sich mit einem kurzen Gastauftritt begnügen. Stattdessen kommen Bürger und Bürgerinnen zu Wort, die die Standpunkte der SPD wiedergeben. So versucht die SPD also ihre Nähe zum Volk wiederzufinden.
Eine einzige Beschwerde über die derzeitigen Zustände in unserer Gesellschaft findet sich im Spot der Linken. Hier beschweren sich ausgewählte Personen darüber, dass es keine Kita-Plätze gäbe, die Rente nicht zum Leben ausreiche und es zu viele Menschen gibt, die ohne Mindestlohn zu wenig verdienen. Die Botschaft hier: Das muss sich ändern!
Die FDP gibt sich industriefreundlich und auf Wohlstand bedacht. Angesprochen wird hier vor allem der arbeitende Mittelstand. Man sieht viele lachende Menschen, Bilder aus dem Handwerk und der Industrie und Rainer Brüderle, der sich in einem Restaurant sein Frühstück einverleibt. Brüderle, der sagt, uns geht es gut, uns soll es gut gehen.
Eine ungezwungene Unterhaltung der Parteispitze mit dem Zuschauer in lauschiger Natur: Das versucht der Wahlspot der Grünen zu vermitteln. Schade nur, dass Trittin und Göring-Eckardt so unbedarft in der Gegend herumstehen und man ihnen ansieht, dass sie auf ihren Einsatz warten, darauf, dass der andere endlich ausgeredet hat. Inhaltlich gibt es hier alle Kernthemen des grünen Wahlkampfes serviert, in verständlicher und ansprechender Form.

Die Gemeinsamkeit aller Spots: Die Aussage, „wählt uns!“ und schlechte Schauspieler.

Aber was bringt uns jetzt die Konfrontation mit den Wahlwerbespots? Beeinflusst sie wirklich unser Wahlverhalten? Möchte der Wähler wirklich mit seichten Versprechungen, harmonischer Hintergrundmusik und schlecht schauspielenden Politikern hinters Licht geführt werden? Oder nimmt der Wahlwerbespot nicht vor allem eine Funktion ein, die Werbung im Allgemeinen auszeichnet, nämlich dafür zu sorgen, dass der Fernsehzuschauer endlich mal Zeit hat, sich etwas zu essen aus der Küche zu holen oder mal eben auf die Toilette zu gehen?

Katrin Göring-Eckardt im Interview

Katrin Göring-Eckardt im Interview

Katrin Göring-Eckardt ist gemeinsam mit Jürgen Trittin Spitzenkandidatin der Partei Bündnis90/Die Grünen zur kommenden Bundestagswahl. Sie studierte Evangelische Theologie, war Gründungsmitglied der politischen Gruppierung  Demokratischer Aufbruch in der ehemaligen DDR und dann aktiv in der Bewegung Demokratie Jetzt. 

Nach der Wende trat sie dem Bündnis 90 bei und mit der Fusion der Parteien DieGrünen und Bündnis 90 wurde sie Referentin für Frauenpolitik, Familie und Jugend im thüringischen Landtag. Seit 1998 ist Eckardt-Göring Mitglied des Bundestages für die Fraktion Bündnis90/DieGrünen. Darüber hinaus ist sie sehr engagiert in der Evangelischen Kirche und u.a. Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland. Während des Wahlkampfes lässt sie ihre kirchlichen Ämter ruhen.

In Mannheim gab es am 24. August eine Wahlkampfveranstaltung der Grünen, bei dem ich mit ihr ein Kurzinterview führen konnte, waurm man wählen soll.