Warum die SPD noch wählbar ist

Ich bin kürzlich gefragt worden, ob ich finde, dass die SPD nach dieser Wahl noch einmal wählbar ist. Die Frage kommt nicht aus heiterem Himmel, die SPD hat im Rahmen der Koalitionsverhandlungen eine Reihe ihrer Wahlversprechen nicht eingelöst, darunter auch solche, die vielen SPD-Wählern als zentral vorkommen. Es wird keine Steuererhöhungen geben, auch die Durchsetzung des Mindestlohns ist vielen nicht konsequent genug. Das Betreuungsgeld wird nicht wie versprochen abgeschafft, die Ehe nicht für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet, die PKW-Maut soll eingeführt werden. Wer bei der Bundestagswahl die SPD gewählt hat, darf sich zurecht schlecht behandelt fühlen, wurden doch so viele zentrale Themen nicht durchgesetzt. Aber ist die SPD deshalb jetzt in Zukunft nicht mehr wählbar? Ich persönlich denke, so pauschal kann man das dann eben doch nicht sagen.

Deutschland braucht nach den Wahlen eine neue Regierung. Die große Koalition ist dabei sicher nicht der Wunsch von vielen, aber sie ist im Moment die einzige sinnvolle Variante. Zwar sind viele SPD-Wähler der Meinung, ein rot-rot-grünes Bündnis wäre die bessere Alternative, aber die SPD und auch die Grünen haben das bereits im Wahlkampf ausgeschlossen. Dieses jetzt dennoch einzugehen wäre Verrat am Wähler. Und auch eine Neuwahl wäre für die SPD nicht von Vorteil. Tatsächlich würde sie dann noch mehr an Stimmen verlieren. Es bleibt also für die SPD nur die große Koalition, wenn sie nicht eine Minderheitsregierung durch die Union mittragen will. In dieser großen Koalition ist die SPD aber der kleinere Koalitionspartner. Insofern ist es nur logisch, dass die Union mehr Punkte in den Koalitionsverhandlungen durchsetzen kann als die SPD. Und trotzdem hat die SPD meiner Meinung nach vieles von, dem, was sie im Wahlkampf versprochen hat, versucht in den Koalitionsvertrag einzubringen. So hat sie eben doch den Mindestlohn durchgesetzt, auch wenn der erst endgültig 2017 kommen wird, es wird eine Rentenreform geben und Fortschritte in Hinsicht auf die doppelte Staatsbürgerschaft.

Eine Umfrage von tagesschau.de zeigt passend dazu, dass viele Menschen der Meinung sind, dass die SPD sich in den Koalitionsverhandlungen mehr durchgesetzt hat als die Union.

Sachstand: Koalitionsverhandlungen

Mal was über den aktuellen Stand der Koalitionsverhandlungen gehört? Wir nur wenig. Und aus diesem Grund wollen wir heute mal ein paar Fakten darlegen, wie es denn nun steht.

Zunächst mal: Hier gibt es Einigungen:

Europapolitik: Eu-Staaten sollen weiterhin selbst für ihre Schulden verantwortlich sein, Hilfmittel sollen nur zu letzten Not bewilligt werden.

Innenpolitik: Menschenhandel und Zwangsprostitution soll bekämpft werden. Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch soll verlängert werden.

Hochschulpolitik: Das Kooperationsverbot zwischen Bundesregierung und Ländern soll verschwinden.

Asylpolitik: Verbesserungen für Asylbewerber und Flüchtlinge. Asylverfahren sollen schneller werden und Asylbewerber mehr Möglichkeiten bekommen, sich in Deutschland frei zu bewegen. Außerdem sollen sie schneller als bisher arbeiten dürfen.

Arbeitspolitik: Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sollen abgebaut werden.

Energiepolitik: Es wird Kürzungen in der Förderung von Ökostrom geben. Davon sind vor allem die Windenergie und die Energie aus Biomasse betroffen. Bis 2020 soll ein Ökostromanteil von 40 Prozent errreicht sein. Es soll vorerst kein Fracking in Deutschland geben.

Strittig sind noch folgende Themen: Mindestlohn, Mietpreisbremse, Bildung, Gleichstellung, PKW-Maut, Volksentscheide, Doppelte Staatsbürgerschaft, Betreuungsgeld. Das sind viele der großen Themen des Wahlkampfes, hier kommt also noch Arbeit auf die Koalitionäre zu.

Bis Ende November soll der Koalitionsvertrag stehen.

Warum wir doch in einer Demokratie leben

Viele Kommentare, die wir auf unserem Blog bekommen, handeln davon, dass uns in Deutschland nur ein demokratisches System vorgegaukelt wird und wir in Wahrheit  in einer grausamen Diktatur leben. Ich möchte heute ein paar Punkte und Beispiele vorbringen, warum ich der festen Überzeugung bin, dass wir in einer Demokratie leben.

1) Ein guter Freund von mir kommt ursprünglich aus Mexiko und kam zum Studieren nach Deutschland. Hier lernte er einen Mann kennen, den er liebt und ehrt. Er kann sich mit ihm öffentlich als Paar zeigen ohne Angst vor gesellschaftlicher Verachtung oder sonstigen Folgen zu haben. Dies ist in seiner Heimat, in der er bereits seit 4 Jahren nicht mehr war, nicht möglich. Selbst seine Mutter weiß von seiner wahren sexuellen Orientierung erst seit einem Jahr. Er hat inzwischen die deutscher Staatsangehörigkeit (ohne irgendeine Scheinehe) und wird auch in Deutschland bleiben wollen, denn hier kann er frei leben.

2) Wir können Bücher über und von Marx, Nazis, Esoterik, Religionen, Erich Kästner, Wagner, Rudolf Steiner, Hauptmann, Stephenie Meyer, Goethe, Rosamunde Pilcher, Platon und Hitler lesen und schreiben und dann daran glauben oder nicht, ohne das uns jemand daran hindert oder zensiert. Klar bekommt nicht jeder Presse und die große Aufmerksamkeit, aber gerade in Zeiten von Self-Publishing hindert kaum noch etwas, jemanden seine Meinung in die Welt zu posaunen.

3) Mein leiblicher Vater hat wohl sehr viel Mist in seinem Leben gebaut, was man sich erzählt. Aber als ich mich an der Uni einschrieb, hat niemand danach gefragt und bisher hat es noch nie eine Rolle gespielt, wo meine Familie herkommt und wie meine Nase aussieht, sondern nur allein, was ich getan oder verbockt habe. (Ich weiß mein Glück wahrlich zu schätzen, denn leider spielt es für Kinder in Deutschland sehr wohl eine Rolle, was ihre Eltern machen und wo sie herkommen. Jedoch gibt es keine Behörde, die zu jedem Bürger eine Akte pflegt, um grundsätzlich Menschen in ihrer Entfaltung zu hindern.)

4) Ich kann nach Afrika fliegen, Tischler werden, Dinge bauen und zerstören, nackt auf der Straße laufen, im Sommer Mütze und Schal tragen, mich betrinken, vegan leben, umziehen, bleiben, Kinder kriegen, heiraten, mich trennen, arbeiten, faulenzen, an 10 verschiedene Götter glauben, mein iPhone verehren, dumme, reiche, faule, arme, muslimische, atheistische, große, dicke Freunde haben, an Demonstrationen teilnehmen, an jeder Wahl teilnehmen, Politiker werden, Minister böse Briefe schreiben, Lotto spielen, Hunde züchten oder was auch immer, solange ich die Freiheit anderer nicht eingrenze.

5)Machtverhältnisse ändern sich. Die FDP ist aus dem Bundestag raus.

Ich möchte nicht verleugnen, dass in Deutschland einiges schief läuft, dass auch hier Unrecht geschieht und man immer kritisch betrachten sollte, was in der Politik und Gesellschaft vor sich geht. Die NSA-Affäre und NSU-Morde und der Umgang der Politik damit sind inakzeptabel und in dem einen Fall weist es darauf hin, dass wir als Bürger um unsere Freiheiten kämpfen müssen und uns nicht auf die Politik in Gänze verlassen können, im anderen Fall macht es unfassbar traurig und es ist unglaublich, wie viel Dummheit in Staatsbehörden zusammen kommen muss, dass über so eine lange Zeit Menschen ungeachtet morden konnten. Doch ist es eine Beleidigung und Missachtung an die Menschen, die in Diktaturen lebten oder leben, wenn jemand in Deutschland die Demokratie verleugnet.

Politikverdrossenheit

Politikverdrossenheit

Liebe Politiker,

vielleicht habt ihr von dem heutigen Thema meiner Kolumne bereits gehört: Es geht um die Politikverdrossenheit. Wikipedia definiert diese wie folgt:

“Politikverdrossenheit bezeichnet eine negative Einstellung der Bürger in Bezug auf politische Aktivitäten und Strukturen, die sich unter Umständen in Desinteresse an und Ablehnung von Politik, ihrer Institutionen und politischem Handeln äußert. Diese Haltung kann generell die ganze politische Ordnung betreffen oder sich nur auf Ergebnisse politischer Prozesse beziehen.”

Das ist ja eigentlich ziemlich doof. Schließlich wollt ihr doch, dass ihr gewählt werdet. Klar, gerade kann euch das egal sein, die Wahl ist vorbei. Aber die nächste Wahl kommt bestimmt. Deshalb sollte man meinen, dass ihr euch darum bemüht, dass in der Bevölkerung weniger Politikverdrossenheit herrscht.

Die Gründe für die herrschende Politikverdrossenheit sind sicherlich vielfältig. Dazu zählen zum Beispiel Wahlversprechen, die nicht einhalten werde, mangelnde Volksnähe und das NIcht-Vertreten der Wählerinteressen.

Jetzt nach der Wahl ist der beste Zeitpunkt, etwas gegen die Politikverdrossenheit zu unternehmen. Etwa, wenn ihr endlich versucht, eure Wahlversprechen aus einzuhalten und die Interessen der Wähler auch wirklich zu vertreten. Sieht man sich bisherige Berichte über die Koalitionsverhandlungen an, scheint es aber nicht so, als ob viel Wert auf die Wahlversprechen gelegt wird. Die SPD rückt immer wieder von zentralen Forderungen des Wahlkampfes ab und hält an eher unwichtigen, aber leichter durchzusetzenden Themen fest. Und bei der CDU ist sich sowieso niemand mehr sicher, was sie eigentlich genau gefordert hat – wenn sie denn irgendwas gefordert hat. Kein Wunder, dass über die Koalitionsverhandlungen kaum berichtet wird – alles, was man darüber hört, fördert ja doch nur wieder die Politikverdrossenheit.

Ein weiterer, aktueller Punkt ist sicherlich die Spähaffäre, die geradezu ein Paradebeispiel für eure Wählerferne ist. Habt ihr euch bisher eigentlich überhaupt dafür interessiert, dass die deutschen Bürger ausspioniert werden? Und interessiert euch diese Tatsache jetzt? Der Aufschrei kam erst, als sich herausstellte, dass auch die Bundeskanzlerin abgehört wurde. Ich gebe ja zu, dass das nicht in Ordnung ist und dass diese Tatsache auch weit aus gewichtiger ist als dass die Bürger ausspioniert werden. Aber: Letzten Endes ist auch Angela Merkel eine deutsche Bürgerin. Und aus diesem Grund hättet ihr, liebe Politiker auf die Spähaffäre viel früher reagieren müssen. Kein Wunder also, dass viele Wähler der Meinung sind, dass ihr nichts für sie leistet.

Ich persönlich finde es wichtig, dass wir in einer Demokratie leben und ich wünsche mir, dass dieses Verständnis unserer Politik in der Bevölkerung verankert bleibt – oder auch wieder angesiedelt wird. Aber ihr, liebe Politiker steuert in so vielem, das ihr tut, dagegen an, dass das passieren kann. Deshalb nehmt euch ein Herz für die Demokratie, die ihr doch vertreten sollt und versucht zumindest der um sich greifenden Politikverdrossenheit ein Ende zu bereiten.

Föderalismus

In Bayern haben die Schüler ein anderes Schulsystem als in Bremen, in Baden-Würrtemberg hat man bei der Landtagswahl nur eine Stimme und in Hessen zwei, in Sachsen gibt es ein Landesverfassunggericht, jedoch in Schleswig-Holstein nicht.

Dass es in einem Staat, in diesem Fall Deutschland, so verschieden zugeht, liegt am Föderalismus. Föderalismus meint zunächst, das ein Ordnungsprinzip herrscht, in dem einzelne Einheiten, die weitgehend unabhängig sind, gemeinsam etwas Ganzes bilden.

Politisch bedeutet es, dass staatliche Aufgaben (Bildung, Soziales, Straßen, Steuern usw.) zwischen dem Gesamtstaat und den Einzelstaaten aufgeteilt werden, sodass beide für bestimmte Teilbereiche selbst zuständig sind. In Deutschland teilt es sich in die Bundesebene (Bundestag, Bundesrat) und die Landesebene (Landesparlamente). Dazu kommt noch die Kommunalebene (Gemeinderäte, Kreistage, Stadtrat u.ä.).

Die wichtigste Funktion des Förderalismus ist der Schutz vor einer einseitigen Machtausübung. Beispielsweise müssen sehr viele Gesetze, die der Bundestag beschlossen hat, durch den Bundesrat, der sich aus Mitgliedern der Landesparlamente zusammen setzt, bestätigt werden. Denn nach dem 2. Weltkrieg versuchten die Alliierten eine Methode zu finden, dass Deutschland nicht wieder zu einer Diktatur zurückkehrt. Dabei beriefen sie sich auf eine alte Tradiotion Deutschlands. Denn bereits im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (etwa Mittelalter – Anfang 19. Jh.) setzte sich Deutschland (auch wenn es damals noch ein wenig anders aussah) aus souveränen Territoritalstaaten zusammen. In der Weimarer Republik wurden die Rechte der Länder stark eingeschränkt und Adolf Hitler schaltete sie schließlich gleich. Damit bündelte er eine sehr große Macht auf sich.

Nach der Wiedervereinigung besteht Deutschland nun aus 16 Ländern. Kritiker sagen, dass die Politik durch den Föderalismus sich im „Dauerwahlkampf“ befindet, da irgendwie irgendwo immer Wahl ist und Politiker und Parteien auch aus anderen Ebenen oder Ländern sich mit der Wahl statt ihren Aufgaben beschäftigen. Andererseits hat der einzelne Bürger mehr Möglichkeiten sich einzubringen, da es direkte Wahlen der Vertreter der verschienden Ebenen gibt, und damit mehr in das politische Geschehen eingebunden ist. Außerdem besteht in Deutschland eine hohe Identifikation mit der Region aus der man kommt und durch ein föderales System erhalten sich Traditionen und Bräuche länger.  Oft wird der Föderalismus als „Vielfalt in Einheit“ beschrieben.

Bundesregierung

Die Bundesregierung? Klar, die regiert uns halt. Oder wie ist das jetzt genau?

Die Bundesregierung ist in Deutschland das oberste Verfassungsorgan der Exekutive. Sie setzt sich zusammen aus den Bundesministern und dem Bundeskanzler. Zu ihren Aufgaben zählen innen- und außenpolitische Entscheidungen, außerdem hat sie das Recht, Gesetzesvorschläge in den Bundestag einzubringen.

Innerhalb der Bundesregierung bestimmt der Bundeskanzler die Grundzüge der Politik und trägt für diese die Verantwortung.

Ein Bundesminister leitet ein Bundesministerium in eigener Verantwortung und im Rahmen der Vorgaben durch den Bundeskanzler. Die Bundesminister werden vom Bundeskanzler vorgeschlagen und dann vom Bundespräsidenten ernannt. Obligatorisch sind die Bundesministerien der Justiz, der Finanzen und der Verteidigung. Die übrigen Bundesministerien werden vom Bundeskanzler zusammen gestellt.

Prinzip der Gewaltenteilung

Jede Demokratie zeichnet sich durch Gewaltenteilung aus. Auch wenn das Wort grausam klingen mag, hat die politische Gewalt nichts mit körperlicher Gewalt zu tun. Gewalt im politischen Sinne meint vielmehr Kraft, Herrschaft oder Ausübung. Man trennt im Prinzip der Gewaltenteilung drei Gewalten:

– Exekutive: die vollziehende Gewalt

– Judikative: die Recht sprechende Gewalt

– Legislative: die Gesetz gebende Gewalt

Die drei sind unabhängig, können aber nicht alleine handeln, sondern sind miteinander beschränkt.

In Deutschland ist der Bundestag die Legislative. Der Bundestag schlägt Gesetze vor, arbeitet sie aus und beschließt sie. (was es alles im  im Bundestag gibt, beschreiben wir in “Strukturen des Bundestags„).Die Bundesregierung und die Verwaltung übernimmt den Part der Exekutive. Sie sind dafür verantwortlich, dass die vom Bundestag beschlossenen Gesetze umgesetzt werden. Dem gegenüber steht die Judikative, die in Deutschland die Gerichte stellen. Sie entscheiden, ob jemand gegen geltendes Recht verstoßen hat und setzen u. U. ein Strafmaß nach dem nach dem vom Bundestag beschlossenen Strafgesetzbuch.

Der Gedanke hinter der Gewaltenteilung ist, dass die Gewalten sich gegenseitig kontrollieren, aber nicht alleine agieren können, und die Macht des Staates auf verschiedene unabhängige Institutionen verteilt und eingegrenzt wird.  Damit verhindert man eine Machtergreifung durch Einzelne. Es ist  in Deutschland nicht möglich, dass eine Einzelperson, eine Partei oder Gruppe ein Gesetz einbringen kann, es selbst umsetzt und bei Nichteinhaltung jemanden dafür bestraft.

Die Kontrolle der Unabhängigkeit der Gewalten übernimmt in Deutschland das Bundesverwaltungsgericht, der Bundesrechnungshof, Nichtregierungsorganisationen und Presse und Medien. So werden die Letztgenannten oft auch als vierte Macht beschrieben.

Historisch wurde die Gewaltenteilung als erstes in der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika umgesetzt.

Das Prinzip der Gewaltenteilung sichert dem Volk Freiheit und Gleichheit.

Wahlversprechen

Wahlversprechen

Bei Umfragen im Vorfeld der Bundestagswahl habe ich oft Aussagen mit folgendem Inhalt gehört: Es ist doch egal, wen man wählt, ihre Wahlversprechen halten sie doch sowieso nicht.

Im Zuge der Sondierungsgespräche wird jetzt deutlich, auf welchen Wahlversprechen die Parteien im Falle einer Regierungsbeteiligung bestehen wollen und welche wohl nicht durchgesetzt werden. Besonders interessant sind hierbei momentan die Forderungen von Union und SPD: Die SPD will am Mindestlohn auf jeden Fall festhalten, die Steuererhöhungen, die sie versprochen hatte, wird es wohl eher nicht geben. Auch das Versprechen, das Betreuungsgeld abzuschaffen, wird sie wohl nicht durchsetzen können.

Klar, gebrochene Versprechen sind ein Hauptgrund der Politikverdrossenheit, die in Deutschland herrscht. Auch ich gestehe ein: Es nervt mich, wenn Wahlversprechen gebrochen werden und Forderungen nicht umgesetzt werden. Schließlich wähle ich ja aufgrund der Forderungen im Wahlkampf die Partei aus, die ich wähle. Und deshalb möchte ich nach der Wahl, dass die Forderungen, die mir wichtig waren bei dieser Entscheidung auch umgesetzt werden.

Manche Wahlversprechen sind auch einfach unfair dem Wähler gegenüber. Manchmal wird das Blaue vom Himmel versprochen, ohne dass es auch nur ansatzweise durchsetzbar wäre. So etwas ist meiner Meinung  nach Betrug am Wähler.

Aber dies alles lässt sich wohl auch anders betrachten: Um alleine die Regierung bilden zu können, braucht eine Partei in Deutschland die absolute Mehrheit der Stimmen. Das geschieht aber nur sehr selten. Deshalb muss meistens eine Koalition gebildet werden. Und da beginnt das Dilemma: Alle Parteien haben unterschiedliche Schwerpunkte, jede Partei fordert zumindest teilweise unterschiedliche Dinge. Und manchmal kommt es eben auch nicht zu Wunschkoalitionen. Dann müssen Parteien mit unterschiedlichen Positionen einen Konsens finden. Logisch, dass dann nicht alle Wahlversprechen eingelöst werden können.

Das Problem der gebrochenen Wahlversprechen ist insofern vielleicht auch in Problem unseres Wahlrechts. Denn wenn für die Regierungsbildung eine Koalition nötig ist, ist die Voraussetzung, dass Wahlversprechen gebrochen werden müssen. Zumindest manche.

Gehts denn auch anders? Ja! In Schweden ist es beispielsweise üblich, dass es Minderheitsregierungen gibt. Der schwedische Ministerpräsident wird vom Reichstag gewählt. Die absolute Mehrheit ist hierfür nicht erforderlich. Gewählt ist der Ministerpräsident dann, wenn nicht die Mehrheit gegen ihn stimmt.

Dennoch können aber auch in einer Minderheitsregierung nicht alle Wahlversprechen eingelöst werden, denn für die Verabschiedung von Gesetzen müssen in Deutschland Bundestag und Bundesrat zustimmen.

Es mag ernüchternd sein, dass nie alle Wahlversprechen eingelöst werden. Aber manchmal ist es anders nicht möglich. Niemand würde eine Minderheitsregierung wollen, die alleine Gesetze bestimmen kann, ohne Zustimmung von Bundestag und Bundesrat. Dies würde massiv die Demokratie gefärden. Aber auf der Suche nach einem Konsens müssen Kompromisse eingegangen werden – manchmal auch auf Kosten der Wahlversprechen.

Zu der Einstellung, dass man deshalb nun nicht mehr wählen geht, muss ich sagen, dass ich diese Haltung falsch finde. Denn auch, wenn ich weiß, dass die Partei, die ich wähle, nicht alle ihre Forderungen durchsetzen und nicht alle Wahlversprechen einlösen wird, steht sie trotzdem für die Forderungen, die mir wichtig sind. In dem Moment, in dem ich nicht die Partei wähle, die meine Forderungen vertritt, egal, ob sie diese im Endeffekt durchsetzen kann, verschenke ich meine Stimme. Und dann wird sich erst recht nichts ändern.

Eine Partei – was ist das?

In einer Partei finden sich Menschen zusammen, die die gleiche politische Meinung teilen. Eine Partei steht für bestimmte Werte und Vorstellungen in gesellschaftlichen, politischen und sozialen Fragen und stellt sich zur Verfügung gewählt zu werden und letztlich auch Verantwortung im Staat übernehmen zu wollen. Die Mitglieder versuchen durch ihren Zusammenschluss in einer Partei mehr zu erreichen, als es einer Einzelperson möglich wäre.

Gründen kann eine Partei jeder, sofern die Grundsätze dieser nicht dem Grundgesetz widersprechen.

Im Grundgesetz Artikel 21 steht, dass Parteien bei der politischen Willensbildung des Volkes mitwirken. Das heißt, dass die Aufgabe der Partei ist, Menschen zu vertreten, Diskussionen zu führen und Entscheidungen in der Gesellschaft mit zu treffen. Gleichzeitig wirken sie nicht ausschließlich mit und sind damit auch nur ein Teil der Willensbildung. Denn die Beteiligung an Politik kann auch parteilos geschehen.

Die wichtigsten Parteien in Deutschland sind die CDU, SPD, die Grünen/Bündnis 90, die Linken und die FDP.

 

Wie wird man Politiker?

Die Menschen, die uns regieren, sind allesamt Politiker. Politiker sind diejenigen, die öffentliche Ämter innehaben und die aktiv unsere Politik und somit unsere Gesellschaft gestalten. Aber wie wird man eigentlich Politiker?

Die meisten Politikerkarrieren beginnen mit einem Parteieintritt, parteilose Politiker gibt es nur sehr wenige in Deutschland. Förderlich ist zudem ein abgeschlossenes Studium – fast alle Politiker haben studiert. Das liegt daran, dass man im Studium einige rhetorische Fähigkeiten erwirbt, die dem Politiker zugute kommen. Ist man in einer Partei, ist es nötig, dass man sich politisch engagiert. Die Voraussetzung hierfür ist, dass man Ziele hat, für die man sich einsetzen möchte und für diese Ziele überzeugend argumentieren kann.

Die Karriereschritte in Richtung Politiker hängen stark davon ab, wie viele Menschen in einem Wahlkreis sich politisch engagieren. Sind es nur wenige, hat man gute Chancen, schnell in der Karriereleiter aufzusteigen. Sind aber viele Menschen in den Parteien engagiert, muss man auf einen verantwortungsvollen Posten oft lange warten. Prinzipiell gilt auch, dass es einfacher ist, Kommunalpolitiker zu werden, als auf Landtags- oder Bundestagsebene. Kommunalpolitiker üben aber meistens noch ihren ursprünglichen Beruf gleichzeitig zu ihrem Politikerdasein aus und sind nur selten hauptberuflich Politiker.

Die Menschen, die im Moment Politiker sind, sind zumeist schon sehr früh in eine Partei eingetreten, waren oft auch schon in der Jugendorganisation ihrer Partei. Dies scheint also auch fast eine Voraussetzung dafür zu sein, eine erfolgreiche Politikerkarriere zu haben.

Daneben gibt es auch Förderprogramme für junge Menschen, die Politiker werden möchten.

Dennoch sind die Chancen auf den Posten eines hauptberuflichen Politikers relativ gering.

Wer sich genauer für das Thema interessiert, findet einen interessanten Artikel auf der Online-Seite der FAZ.

Politisch engagieren kann man sich aber natürlich auch, ohne Politiker zu sein. Wie, das erzählen wir hier demnächst.