Was die Wähler im Wahlkampf beschäftigt

Man könnte annehmen, was die Menschen im Wahlkampf beschäftigt, ist ganz klar: Dass es ihnen, ihren Kindern, ihrem Land besser geht. Dass es nach den Wahlen eine Regierung gibt, die ihre Interessen vertritt. Man könnte meinen, deshalb wären im Wahlkampf insbesondere die Inhalte entscheidend, Fragen wie: Wie stehen die Parteien zum Mindestlohn, zur Gleichstellung, zum Grundeinkommen? Wie werden sich die Parteien für den Datenschutz einsetzen? Wird Deutschland Schulden abbauen? Wie setzen sich die Parteien für die Energiewende ein? Und so weiter. Diese Liste an Fragen ließe sich beliebig fortführen, die Wahlkampfthemen sind vielfältig, die Wahlprogramme ausführlich.

Und natürlich sind das alles Sachen, für die sich die Wähler interessieren. Dennoch hat man in den letzten Tagen den Eindruck gehabt, dass andere Dinge den Wahlkampf in der Öffentlichkeit deutlicher prägen.
Nach dem TV-Duell zwischen Merkel und Steinbrück waren nicht etwa die Inhalte in aller Munde und wurden heiß diskutiert. Stattdessen hatte die Deutschlandkette, die Merkel an diesem Abend trug ein eigenes Twitter-Profil und wurde in allen Medien gehypt.

Seit gestern gibt es einen weiteren Aufschrei im Wahlkampf: Steinbrücks Mittelfinger. Den zeigte er während eines Interviews mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung und landete damit prompt auf dessen Titelblatt. Dieses Titelbild sorgt seitdem für reichlich Diskussionsstoff. Darf  ein Kanzlerkandidat das? Ist das nicht unverschämt, auch den Wählern gegenüber? Ist das ein weiteres Fettnäpfchen, in das Steinbrück da getreten ist? Oder ist das Zeigen des Mittelfingers doch völlig legitim? Nach der Deutschlandkette von Merkel hat nun auch Peer Steinbrücks Finger einen Twitter-Account und schon über 1000 Follower.

Und dabei muss man doch ganz ehrlich sagen: Die Deutschlandkette von Angela Merkel und der Mittelfinger von Peer Steinbrück werden nicht im geringsten dazu beitragen, wie die Zukunft unseres Landes aussieht. Warum sind sie dann trotzdem so interessant für die Wähler?

Betrachtet man zunächst Frau Merkel, könnte man meinen, dass sie mit der Kette einen Hauch Menschlichkeit zeigt. Die Bundeskanzlerin ist unnahbar, so sehr sie auch versucht, volksnah zu sein. Sie ist eben doch die Politikerin, die von den Sorgen des kleinen Mannes nicht mehr viel weiß. Ihre Reden und Standpunkte sind gut durchdacht und überzeugend vorgetragen. Aber vielen Wählern ist die Politikersprache zu komplex, oft zu unverständlich und hochtrabend. Da kommt so eine Kette im TV-Duell gerade recht, um für Diskussionsstoff zu sorgen. Weil sie nicht unverständlich ist, sondern etwas, dass jeder versteht.

Auch die Geste des Mittelfingers von Peer Steinbrück versteht jeder. Man könnte denken, auch diese Geste müsste gut ankommen, ist es doch eine Geste, die zeigt: Auch Peer Steinbrück ist einer von uns. Das Resultat ist aber ein anderes: Die Geste sorgt für große Aufregung, die Meinungen dazu gehen weit auseinander.

Dennoch kann man sagen, beides, die Deutschlandkette und der Mittelfinger, sind Dinge, die die Politiker dem Wähler näher bringen – im Positiven wie im Negativen Sinne. Vielleicht beschäftigen sie den Wähler im Wahlkampf deshalb so sehr. Denn viele der anderen Wahlkampfthemen sind eben nicht volksnah und wenn sie es sind, werden sie mit hochtrabenden Begründungen versehen, die nicht mehr leicht verständlich sind.

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Unter die Lupe genommen: Wahlplakate

wahlplakate

Seit Wochen schon begegnen sie uns an allen Straßenecken, auf öffentlichen Plätzen, selbst auf dem kleinsten Dorf: die Wahlplakate. Sie sind immer noch eines der wichtigsten Medien im Wahlkampf. Die Parteien buhlen um die besten Plätze für ihre Plakate und stechen sich gegenseitig aus bei dem Versuch, das kreativste Motiv zu finden. Und trotzdem hört man immer wieder lauthalse Beschwerden über die Plakate: Sie verschandeln die Landschaft, die Motive sind furchtbar, überall nur Köpfe drauf, keine Themen, zu viel Themen, und so weiter. Woran liegt das? Wenn die Wahlplakate doch eines der wichtigsten Medien im Wahlkampf sind, warum beschweren sich dann so viele Leute über sie? Haben die Parteien wirklich alle bei der Gestaltung versagt? Und das obwohl damit doch Profis beauftragt werden?

Klar, es gibt Dinge, die wäre einfach vermeidbar. Die SPD hätte für ihre Plakate besser recherchieren können und hätte dann vielleicht einen eigenen Slogan verwendet statt den einer Zeitarbeitsfirma. Die Linke könnte eine Schriftart verwenden, die besser lesbar ist und Sätze, die nicht das komplette Plakat einnehmen. Aber dies sind wohl eher weniger bedeutende Gründe dafür, dass Wahlplakate so unbeliebt sind. Tatsächlich ist es sogar so, dass nur das Design an sich betrachtet durchaus auch gut ankommen kann.

Ich glaube, die Wahlplakate sind nicht gern gesehen, weil sie die Menschen im Alltag mit Politik konfrontieren – und gleichzeitig auch mit all den negativen Eigenschaften, die der Politik und den Politikern zugeschrieben werden. Die Wahlplakate im Alltag lösen bei vielen Menschen Assoziationen aus: Die lügen doch sowieso alle, die machen am Ende ja doch nichts für die Bürger, die unterscheiden sich ja eh nicht voneinander. Diese Gedanken sind die Grundlage für die bei uns herrschende Politikverdrossenheit. Und natürlich werden sie nicht nur durch Wahlplakate ausgelöst. Aber bei Wahlplakaten kann man eben nicht einfach wegschalten wie bei den Wahlwerbespots. Man hat nicht die Entscheidungsfreiheit, sie sich nicht anzuschauen, wie man sie bei Internetauftritten oder Politikshows hat. Mit den Plakaten werden wir konfrontiert – ob wir wollen oder nicht. Das ist meiner Meinung nach aber auch das gute an den Wahlplakaten. Denn wer weiß, ob die Leute überhaupt wüssten, dass Wahlkampf ist, wenn die Plakate sie nicht daran erinnern würden.

Wahlkampf im Social Web

Alle reden davon, dass der Wahlkampf im Netz wichtiger wird denn je. Hierzu zählen nicht nur die Internetauftritte von Parteien und Politikern, sondern vor allem auch soziale Plattformen wie Facebook und Twitter. Und wer sich genauer umsieht, stellt fest, dass diese auch vermehrt genutzt werden. Aber wie ist das eigentlich? Wie wichtig sind die Plattformen wirklich? Wer schaut sie sich an? Beeinflussen sie die Wahlentscheidung der Mehrheit der Wähler?

Zunächst schaue ich mich ein wenig auf Facebook um. Die erste Feststellung: Das erfolgreichste Profil ist das von Angela Merkel mit über 350.000 Likes. Nach dem Kanzlerduell am Sonntag finden sich auf dem Profil zuerst einmal viele Posts mit Zitaten von Merkel ohne jegliche Bilder, die augenscheinlich ihre Redaktion gepostet hat, alle versehen mit dem Hashtag #tvduell. Ich frage mich: Wäre das nicht eher was für Twitter? Aber einen Twitter-Account hat die Kanzlerin nicht. Danach folgen einige Post von Bildern von Wahlkampfveranstaltungen, geteilte Links von Wahlwerbespots und ähnliches. Auch hiervon ist das meiste von der Redaktion geschrieben worden, nur ganz vereinzelt findet sich ein Post, der mit /am gekennzeichnet ist. Die hat Frau Merkel dann wohl selbst geschrieben. Insgesamt fällt auf: Inhalte sucht man hier vergebens.

Bei ihrem Herausforderer Peer Steinbrück sieht das schon anders aus. Auch hier gibt es zwar viele Bilder von Peer Steinbrück in der Timeline, aber oftmals sind sie mit einem kurzen, inhaltlichen Statement zur aktuellen Politik und zu Wahlkampfthemen versehen. Allerdings muss man sagen, dass Frau Merkel Peer Steinbrück mit ihren Likes weit überholt: Nur etwas über 40.000 Menschen haben bei dem Kanzlerkandidaten der SPD auf „gefällt mir“ geklickt.

Wie sieht es mit den Profilen der Parteien aus? Wenig überraschend ist, dass die Piratenpartei mit Abstand die meisten Likes hat. Darauf folgen die AfD, die SPD und dann die CDU. Den meisten Wachstum an Likes hat mit Abstand die SPD. Und Inhalte? Bei der SPD bewirbt man hauptsächlich verschiedene Politiker, Kandidaten und Veranstaltungen. Die CDU fixiert sich auf ihrem Profil sehr auf die Kanzlerin und darauf, was man bisher unter schwarz-gelb erreicht hat. Aussagen darüber, was die Inhalte des Wahlkampfes sind, gibt es auch hier eher wenig. Die findet man stattdessen bei den Grünen zuhauf, bei der Linken manchmal und bei der FDP vereinzelt.

Das ist also der Wahlkampf auf Facebook.

Und was ist mit Twitter? Gibt es dort mehr Inhalte? Welche Tweets sind erfolgreich?

Zuerst schaue ich mir die Accounts der Parteien an. Bei der CDU: Enttäuschung. Keine Inhalte. Oft werden Links getwittert: zum Wahlwerbespot zum Beispiel. Außerdem zielen viele Tweets darauf ab, die Schwächen von Peer Steinbrück und der SPD darzustellen. Die SPD hingegen verweist hauptsächlich auf Sendungen im Fernsehen, bei denen Kandidaten zu Gast sind. Bei den Grünen gibt es einige Verweise auf Demonstrationen, auf denen sie anzutreffen sind. Außerdem vereinzelt: Endlich ein paar Inhalte! Auch bei der Linken gibt es Inhalte aus dem Wahlkampf und nebenbei ein paar kritische Kommentare über andere Parteien. Das gleiche Bild ergibt sich bei der FDP.

Die meisten Follower hat mit Abstand die Piratenpartei, die wenigsten die FDP.

Auch Kandidaten und Abgeordnete haben Twitter-Accounts und sind hierbei mehr oder weniger aktiv. Einzige wirkliche Auffälligkeit: Angela Merkel sucht man auf Twitter vergeblich.

So sieht also der Wahlkampf in den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter aus. Die Frage, die bleibt, ist: Wer verfolgt diesen Wahlkampf? Und hilft er wirklich bei der Entscheidung, wen wir wählen sollen?

Aufgrund eines Interviews mit Geesche Jost, der Netzexpertin der SPD, hält die Tagesschau fest, dass auf Twitter netzpolitische Themen und Sachverhalte diskutiert werden, das Zielpublikum hier besteht zumeist aus Politikern, aktiven Bloggern, Journalisten und politisch Interessierten. Diese tauschen sich auch über die politischen Inhalte aus und diskutieren aus aktuellen Anlässen, wie erst kürzlich beim Kanzlerduell. Das Publikum bei Facebook ist deutlich breiter, hier finden sich auch weniger politisch Interessierte, außerdem auch Leute, die zwar auf „gefällt mir“ klicken, aber die Posts nicht weiter verfolgen.

Aber wie ist nun die Reichweite des Wahlkampfes in sozialen Netzwerken? Ulla Fiebig hat bei Twitter eine Umfrage gemacht, wie der Online-Wahlkampf wahrgenommen wird. Die häufigste Antwort: Welcher Online-Wahlkampf? Die Reichweite scheint also noch nicht besonders groß zu sein. Außerdem fällt mir auf, dass auf den sozialen Plattformen kaum politische Inhalte dargestellt werden. Es kommt scheinbar hauptsächlich darauf an, sich sympathisch zu geben und überhaupt wahrgenommen zu werden. Bedenkt man außerdem, dass es für die Bundestagswahl mehr als 60 Millionen Wahlberechtigte gibt, klickt nur ein Bruchteil davon bei Facebook auf „gefällt mir“ und noch weniger nutzen Twitter, um den Parteien oder Abgeordneten zu folgen. Vor allem Nichtwähler werden so wohl nicht erreicht. Und dabei sind doch gerade junge Menschen, die vielleicht noch nicht wissen, wen sie wählen sollen, viel im Social Web unterwegs.

Trotzdem bleibt festzuhalten: Die Präsenz in sozialen Netzwerken wird zunehmend wichtiger. Die Anzahl der Follower und Likes nimmt permanent zu und auch die Medien berichten immer mehr über den Wahlkampf im Netz. Eine schöne Übersicht, über Analyse-Tools zur Bedeutung von Social-Media im Wahlkampf gibt es zum Beispiel beim Hamburger Wahlbeobachter. Meine Meinung ist aber: Bis der Wahlkampf auf Sozialen Plattformen wirklich den Wählerwillen beeinflusst, wird es noch eine Weile dauern.

Wahlwerbespots im Fokus

Wahlwerbespots Wahlurne

Wahlwerbespots sind ein Teil der Wahlwerbung, der immer noch recht viel Beachtung findet. Neben der Ausstrahlung der Spots der einzelnen Parteien im Fernsehen finden sich auch zahlreiche Videos im Internet und Beiträge in Satire-Shows, in denen die Wahlspots karikiert werden.
Zeit für eine Analyse der Spots: Wie sind sie eigentlich aufgebaut? Wer wird damit erreicht? Wie funktioniert das mit der Ausstrahlung? Und überhaupt: Wie effektiv sind Wahlwerbespots und wer wird damit erreicht?

Ein Blick auf Wikipedia verrät, dass die Ausstrahlung der Wahlwerbespots im öffentlich-rechtlichen Fernsehen für die Parteien kostenlos ist und dass sie im Gegensatz zur übrigen Werbung auch nach 20 Uhr gezeigt werden dürfen. Und auch bei den Privatsendern kostet die Ausstrahlung ihrer Werbespots die Parteien fast nichts. Jede Partei, die in mindestens einem Bundesland gewählt werden kann, hat das Recht darauf, ihre Wahlwerbung im Fernsehen zu zeigen. Von dieser Möglichkeit machen die Parteien auch rege Gebrauch. Man braucht nur das abendliche Fernsehprogramm einzuschalten, schon nach kurzer Zeit wird man mit den Spots konfrontiert.  Interessant ist auch der ermittelte Marktwert der Wahlwerbespots: Würden statt diesen herkömmliche Werbespots gezeigt, hätten sie einen Marktwert von rund 8,2 Millionen Euro.

Auch für die kommende Bundestagswahl gibt es zahlreiche Werbespots. Je nach Partei stehen dabei unterschiedliche Aspekte im Fokus:
Der Spot der CDU besteht aus einer Rede von Angela Merkel, die durch Kameraschwenks, unterschiedliche Zoom-Einstellungen und dem Spielen mit der Schärfe aufgelockert werden soll. Merkel spricht davon, was ihre Ziele für Deutschland sind. Was die CDU als ihre Partei davon hält, bleibt offen.
Die SPD hingegen setzt auf das Volk. Politiker sind in diesem Wahlspot kaum zu finden, Peer Steinbrück muss sich mit einem kurzen Gastauftritt begnügen. Stattdessen kommen Bürger und Bürgerinnen zu Wort, die die Standpunkte der SPD wiedergeben. So versucht die SPD also ihre Nähe zum Volk wiederzufinden.
Eine einzige Beschwerde über die derzeitigen Zustände in unserer Gesellschaft findet sich im Spot der Linken. Hier beschweren sich ausgewählte Personen darüber, dass es keine Kita-Plätze gäbe, die Rente nicht zum Leben ausreiche und es zu viele Menschen gibt, die ohne Mindestlohn zu wenig verdienen. Die Botschaft hier: Das muss sich ändern!
Die FDP gibt sich industriefreundlich und auf Wohlstand bedacht. Angesprochen wird hier vor allem der arbeitende Mittelstand. Man sieht viele lachende Menschen, Bilder aus dem Handwerk und der Industrie und Rainer Brüderle, der sich in einem Restaurant sein Frühstück einverleibt. Brüderle, der sagt, uns geht es gut, uns soll es gut gehen.
Eine ungezwungene Unterhaltung der Parteispitze mit dem Zuschauer in lauschiger Natur: Das versucht der Wahlspot der Grünen zu vermitteln. Schade nur, dass Trittin und Göring-Eckardt so unbedarft in der Gegend herumstehen und man ihnen ansieht, dass sie auf ihren Einsatz warten, darauf, dass der andere endlich ausgeredet hat. Inhaltlich gibt es hier alle Kernthemen des grünen Wahlkampfes serviert, in verständlicher und ansprechender Form.

Die Gemeinsamkeit aller Spots: Die Aussage, „wählt uns!“ und schlechte Schauspieler.

Aber was bringt uns jetzt die Konfrontation mit den Wahlwerbespots? Beeinflusst sie wirklich unser Wahlverhalten? Möchte der Wähler wirklich mit seichten Versprechungen, harmonischer Hintergrundmusik und schlecht schauspielenden Politikern hinters Licht geführt werden? Oder nimmt der Wahlwerbespot nicht vor allem eine Funktion ein, die Werbung im Allgemeinen auszeichnet, nämlich dafür zu sorgen, dass der Fernsehzuschauer endlich mal Zeit hat, sich etwas zu essen aus der Küche zu holen oder mal eben auf die Toilette zu gehen?

Auf der Suche nach Demokratie – In der Geschichte I

Demokratie in der Geschichte

Bald ist Bundestagswahl. Deutschland, zumindestens die deutsche Medienlandschaft, ist eingenommen vom Wahlkampf. Es wird aufgerufen wählen zu gehen, da es oberste Bürgerpflicht aller Menschen in einer Demokratie sei. Aber was ist die Demokratie überhaupt und wo kommt sie her?

Auf der Suche nach Demokratie schaut die Wahlurne heute ein wenig in die Geschichte.

Wikipedia sagt, dass das Wort Demokratie aus dem Griechischen kommt und Herrschaft des Volkes bedeutet. Aus dem Griechischen also, dann schaue ich mir mal die griechische Geschichte an.

Etwa 500 Jahre v. Chr. setze der Athener Staatsreformer Kleisthenes das Recht auf Gleichheit der Bürger und Freiheit der Rede ein. Jedoch beschränkte sich die Gleichheit auf Männer, die keine Sklaven und nicht zugezogen waren. Wer diese Kriterien erfüllte und über 20 Jahre alt war, durfte wählen. Es wurden Beamte, die für ein Jahr regierten, gewählt. Eine Unterscheidung zwischen Verwaltung, Regierung und Gericht (unsere heutige “Gewaltenteilung”) gab es noch nicht. Diese Entwicklung der Politik setzte sich fort und hatte ihre vollständige Ausprägung im 5. Jh. v. Chr. und nannte sich Attische Demokratie. Immer noch waren Frauen, Sklaven und Zugezogene ausgeschlossen. Doch die Bürger durften an den Volks- und Gerichtsversammlungen teilnehmen und ein Amt bekleiden. Es war damit eine direkte Demokratie. Jeder besaß in den Versammlungen ein Rederecht. Bei Beschlüssen mussten mindestens 6000 Bürger anwesend sein, um beschlussfähig zu sein. Dafür traf man sich auf dem Hügel Pnyx zu mindestens 40 Pflichtversammlungen im Jahr. Zum Beispiel kontrollierte man dort die Amtsträger, sprach über die Sicherheit Athens oder erhob politische Anklagen. Amtsträger wurden durch Los bestimmt und ihre Amtszeit war strikt begrenzt.

Die Attische Demokratie endete mit dem Tod Alexanders im Jahre 323 v.Chr.

Gemeinsam hatten die Griechen mit der deutschen Demokratie, dass der Staat auf die Mehrheit und nicht auf den Einzelnen angelegt war.

Dies ist nur ein Einblick in den Ursprung des deutschen komplexen Demokratiebegriffs. Wer sich für demokratische Gesellschaftsordnungen rund um die Welt interessiert, dem ist dieses Video zu empfehlen:

¿demokratie?

http://www.youtube.com/watch?v=vKn9sha72-M

Wer weiterlesen will, schaue sich auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung um: www.bpb.de

Zur Geschichte des Begriffs und seiner Schwierigkeit: http://www.bpb.de/izpb/9158/demokratie-geschichte-eines-begriffes

Wahlkampf ohne Kampf

Wahlkampftourauftakt der CDU in Ludwigshafen

Wahlkampftourauftakt Ludwigshafen

Angela Merkel kommt! Da ich gerade in Mannheim weile, ergriffen wir die Chance eine Wahlkampfveranstaltung mal aus der Nähe zu betrachten, genauer die Menschen, die wir dort vorfinden oder eben nicht finden. Also ging es über den Neckar aus Baden-Württemberg raus nach Rheinland-Pfalz in die Nachbarstadt Ludwigshafen. Dort angekommen merkt man nichts, keine aufgeregten Menschen, keine Polizei zu sehen, heißt es nicht WahlKAMPF?

Mal nachfragen, warum die Menschen hier noch rumlaufen, während gleich doch ihre Bundeskanzlerin spricht. “Angela Merkel? hier? Ne, wusste ich nicht”. Keine 500m weiter spricht die Bundesvorsitzende der regierenden Partei und die Menschen wissen es nicht. Das könnte einerseits auf eine schlechte Kommunikation der CDU hindeuten, für mich heißt es, dass die Menschen untereinander nicht über Politik sprechen. Ludwigshafen ist nicht Berlin, Berühmtheiten und Glamour sind hier mehr Ausnahme als Alltag, aber in der Geburtsstadt Helmut Kohls wird Politik nicht als Ereignis wahrgenommen. Weiter ging es zur Veranstaltung. Es waren doch etwa 500 Menschen zusammen gekommen, um ihre Kanzlerin zu feiern. Das sie vornehmlich CDU Anhänger waren, wiesen sie durch wunderschöne leuchtende orangene Hüte aus.

Zwischenfazit: Eine Veranstaltung von der CDU für ihre CDU Anhänger.

Dieses ist grundsätzlich nicht schlimm, aber Menschen zu überzeugen, die bereits überzeugt sind, ist immer noch kein WahlKAMPF. Doch auch einige Piraten sind anwesend und protestieren lautstark gegen die Politik Merkels und machen insbesondere durch Banner und Pfeifen auf sich aufmerksam. Man merkt einen Funken davon, was man sich unter Politik vorstellt. Dann mal auf und die Menschen fragen, warum sie denn hier sind (Podcastfolge mit O-Ton). Sie wollen Angela Merkel sehen.

Auf die Frage, ob sie wählen gehen, erzählen sie mir von Bürgerpflicht, historischer Wichtigkeit und dass sie es von ihren Eltern übernommen haben, dass man einfach wählen geht. Letzteres wäre empirisch nachzuprüfen, aber es scheint entscheidend zu sein, wie man Politik im Elternhaus erlebt hat. Vielleicht sind ihre Argumente nicht immer so überzeugend, um einen Nichtwähler am Sonntag aus dem Bett zu bekommen, aber für sie persönlich reicht es. Festzuhalten ist, dass die Menschen hier, zumindest sagen sie es, alle zur Wahl gehen wollen.

Schlussfazit meines gestrigen Tages:

1. Die Parteien erreichen in ihren Wahlkämpfen die Menschen, die das Prinzip Demokratie und Wahl bereits verstehen.

2. Die Menschen gehen dorthin, wo eine mit der eigenen Überzeugung übereinstimmende Rede geschwungen wird.

To-Do für die nächsten 38 Tage: Dort hingehen, wo die Unpolitischen ihre Meinung finden.

Fünf Gründe nicht zu wählen

1. Es könnte sich was ändern

Ihr habt ein Dach über dem Kopf, der Kühlschrank ist voll und ein warmes Bett? Sowas möchte man ja nicht verlieren. Da ein Wechsel in der Politik unter Umständen, vielleicht, möglicherweise, ansatzweise, zu einem Bruchteil etwas in der Gesellschaft verändern könnte, könnte möglicherweise, da wir ja alle ein Teil der Gesellschaft sind, sich auch unser Leben unter Umständen verändern. Aber da es ja äußerst schön ist, wie alles ist, sollte man kein Risiko eingehen und die Wahl ignorieren.

2. Es ist Sonntag?!

Was fällt eigentlich demjenigen ein, der sich es ausdachte, sonntags Wahlen anzusetzen. Steht es nicht schon in der Bibel, das der siebte Tag ein RUHETAG ist. Ruhe bedeutet nix tun, sich vom Stress der Woche erholen und entspannen. Einfach vor dem Fernseher sitzen und gemütlich das sonntägliche Programm sehen.

3. Superman geht auch nicht zur Wahl

Man lege mir das Heft vor, in dem ein Superheld sich am Sonntag Morgen in die nächste Grundschule bewegt, um sich an einen dreckigen Tisch zu setzen, zwei Kreuze macht, weil er glaubt, damit die Welt zu retten, und mit gehobener Brust an den graubratzigen Wahlhelfern vorbeizuschreiten, mit dem guten Gefühl die Bösewichte ausgeschaltet zu haben.

4. Es ändert sich doch nichts

Meine Stimme ist eine Stimme unter Millionen. Das bedeutet doch, das meine eine kleine Stimme gerade mal einen Bruchteil des Ergebnisses ausmacht. Naklar, wenn alle so denken, kommen wieder die Nazis und so. Gibt es auch noch andere Argumente als Hitler? Ich hätte gerne, dass die Pizzapreise gesenkt werden und aus Freitag FreiBIERtag wird. Solange sich all dieses keine Partei auf die Fahnen schreibt, fühle ich mich nicht angesprochen.

5. Man schaue sich doch nur die Wahlplakate an

Wenn ihr, liebe Politiker, echten Wahlkampf mit echten Inhalten macht, werde ich auch echte Kreuze machen. Für ein Du, Wir, Mit uns, Gemeinsam und zu 100%.