Fanladen St. Pauli

Fußball ist in Deutschland nicht nur eine Freizeitbeschäftigung von körperlicher Aktivität, sondern eine ganze Kultur. Hauptträger dieser Kultur sind die Fans, sie identifizieren sich mit „ihrem“ Verein, verbringen ihre Wochenenden in fremden Städten mit fremden Menschen, um persönlich nie begegneten Menschen beizustehen und zuzujubeln.

Dieses verbindet Menschen und im Falle des 2. Ligas Vereins FC St. Pauli sogar politisch. Denn der Verein sieht seine gesellschaftliche Verantwortung und  engagiert sich aktiv in kulturellen, sozialen und politischen Fragen. Toleranz und Respekt sind die wichtigsten Pfeiler ihrer Vereinsarbeit. So sind die meisten St. Pauli Fans mehr als nur Fußballfans eines Vereins, sondern sie verbindet ein Lebensgefühl und eine politische Haltung.

Vor 10 Jahren riefen aktive Fans des FC St. Pauli den Verein Fanladen St. Pauli ins Leben. Es ist zunächst ein Treffpunkt für Fans, der inzwischen im Millerntorstadion angesiedelt ist. Sie stellen ein Bindeglied und Sprachrohr zwischen den Fans und dem inzwischen hoch kommerziellen Fußball. Ihr Ziel ist es Kommunikationsräume zu schaffen, Frustabbauhilfe zu sein und Selbstinitiative zu stützen, um so auch ein Stück der vermehrten Gewalt in Fußballstadien zu verhindern, ein aktiver Teil der Fußballkultur und damit einer respektvolleren Gesellschaft zu sein. Dazu zählen auch gemeinsame Auswärtsfahrten oder Debatten- und Diskussionsabende.

Darüber hinaus ist ein großer Teil der Arbeit des Fanladens die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Fußball bietet das Potential der Gemeinschaft, des Zusammenhaltes und Interkulturalität kennen zu lernen und zu fördern, dieses versucht der Fanladen durch ein weites Angebot für Jungen und Mädchen in einem offenen, kostenlosen Fußballtraining – dem „Kiezkick“ – anzubieten, wozu auch Treffen mit den Profis, gemeinsam Ausflüge oder Grillabende gehören. Dort können die Jugendlichen lernen, was es heißt, gemeinsam Ziele zu erreichen und und sich auf verschiedene Menschen einzulassen. Denn man darf nicht vergessen der Kiez ist nicht nur ein Vergnügungsort, sondern auch Ort von Gewalt, Prostitution und Armut.

Der Fanladen ist ein schönes Beispiel für gelebte Demokratie, an dem sich andere Fußballvereine und ihre Fans noch viel abschauen können. Denn Fußball  kann mehr sein als nur Bier, Erfolg/Frust und Stumpfsinn. Fußball ist eine Kultur, deshalb sollte er auch so behandelt werden.

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