Was die Wähler im Wahlkampf beschäftigt

Man könnte annehmen, was die Menschen im Wahlkampf beschäftigt, ist ganz klar: Dass es ihnen, ihren Kindern, ihrem Land besser geht. Dass es nach den Wahlen eine Regierung gibt, die ihre Interessen vertritt. Man könnte meinen, deshalb wären im Wahlkampf insbesondere die Inhalte entscheidend, Fragen wie: Wie stehen die Parteien zum Mindestlohn, zur Gleichstellung, zum Grundeinkommen? Wie werden sich die Parteien für den Datenschutz einsetzen? Wird Deutschland Schulden abbauen? Wie setzen sich die Parteien für die Energiewende ein? Und so weiter. Diese Liste an Fragen ließe sich beliebig fortführen, die Wahlkampfthemen sind vielfältig, die Wahlprogramme ausführlich.

Und natürlich sind das alles Sachen, für die sich die Wähler interessieren. Dennoch hat man in den letzten Tagen den Eindruck gehabt, dass andere Dinge den Wahlkampf in der Öffentlichkeit deutlicher prägen.
Nach dem TV-Duell zwischen Merkel und Steinbrück waren nicht etwa die Inhalte in aller Munde und wurden heiß diskutiert. Stattdessen hatte die Deutschlandkette, die Merkel an diesem Abend trug ein eigenes Twitter-Profil und wurde in allen Medien gehypt.

Seit gestern gibt es einen weiteren Aufschrei im Wahlkampf: Steinbrücks Mittelfinger. Den zeigte er während eines Interviews mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung und landete damit prompt auf dessen Titelblatt. Dieses Titelbild sorgt seitdem für reichlich Diskussionsstoff. Darf  ein Kanzlerkandidat das? Ist das nicht unverschämt, auch den Wählern gegenüber? Ist das ein weiteres Fettnäpfchen, in das Steinbrück da getreten ist? Oder ist das Zeigen des Mittelfingers doch völlig legitim? Nach der Deutschlandkette von Merkel hat nun auch Peer Steinbrücks Finger einen Twitter-Account und schon über 1000 Follower.

Und dabei muss man doch ganz ehrlich sagen: Die Deutschlandkette von Angela Merkel und der Mittelfinger von Peer Steinbrück werden nicht im geringsten dazu beitragen, wie die Zukunft unseres Landes aussieht. Warum sind sie dann trotzdem so interessant für die Wähler?

Betrachtet man zunächst Frau Merkel, könnte man meinen, dass sie mit der Kette einen Hauch Menschlichkeit zeigt. Die Bundeskanzlerin ist unnahbar, so sehr sie auch versucht, volksnah zu sein. Sie ist eben doch die Politikerin, die von den Sorgen des kleinen Mannes nicht mehr viel weiß. Ihre Reden und Standpunkte sind gut durchdacht und überzeugend vorgetragen. Aber vielen Wählern ist die Politikersprache zu komplex, oft zu unverständlich und hochtrabend. Da kommt so eine Kette im TV-Duell gerade recht, um für Diskussionsstoff zu sorgen. Weil sie nicht unverständlich ist, sondern etwas, dass jeder versteht.

Auch die Geste des Mittelfingers von Peer Steinbrück versteht jeder. Man könnte denken, auch diese Geste müsste gut ankommen, ist es doch eine Geste, die zeigt: Auch Peer Steinbrück ist einer von uns. Das Resultat ist aber ein anderes: Die Geste sorgt für große Aufregung, die Meinungen dazu gehen weit auseinander.

Dennoch kann man sagen, beides, die Deutschlandkette und der Mittelfinger, sind Dinge, die die Politiker dem Wähler näher bringen – im Positiven wie im Negativen Sinne. Vielleicht beschäftigen sie den Wähler im Wahlkampf deshalb so sehr. Denn viele der anderen Wahlkampfthemen sind eben nicht volksnah und wenn sie es sind, werden sie mit hochtrabenden Begründungen versehen, die nicht mehr leicht verständlich sind.

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Ein Kommentar zu “Was die Wähler im Wahlkampf beschäftigt

  1. Tja was soll man dazu noch sagen, wenn das wirklich alles ist, was sie beschäftigt, dann sehe ich rabenschwarz für unsere Zukunft.

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